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Deutschlands bittere Kohleimporte

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urgewald und FIAN präsentieren Dossier „Bitter Coal" über deutsche Steinkohleimporte

 

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen urgewald und FIAN haben die Lieferwege deutscher Steinkohleimporte sowie die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Auswirkungen unseres Kohleverbrauchs recherchiert. Die Ergebnisse haben sie in dem Dossier „Bitter Coal – Deutschlands Steinkohleimporte“ zusammengefasst, das sie heute präsentieren. Über 75 Prozent der Steinkohle, die von RWE, E.ON, STEAG, EnBW und Vattenfall verfeuert wird, stammt aus dem Ausland, und zwar vornehmlich aus Kolumbien, Russland, USA, Polen und Südafrika. Für den Betrieb deutscher Kraftwerke werden jährlich 34 Millionen Tonnen Steinkohle importiert.

 

„Wir haben die großen Energieerzeuger E.ON, STEAG, RWE, EnBW und Vattenfall befragt, aus welchen Minen sie ihre Kohle beziehen. Sie wollten jedoch die Namen ihrer Lieferanten nicht offenlegen und begründen dies mit der Komplexität des Kohlehandels und wettbewerblichen Gründen“, erklärt Sebastian Rötters von FIAN, Mitautor der Studie. Rötters sieht dies als Ausrede und verweist darauf, dass die Nennung von Lieferanten in anderen Branchen mit viel komplexeren Marktstrukturen längst zum Nachhaltigkeitsstandard gehört. „Die Energieversorger wissen genau woher ihre Kohlen stammen, sie wollen nur nicht, dass die kritische Öffentlichkeit dies erfährt," so Rötters. Die Probleme, die das Dossier in den Hauptlieferregionen für deutsche Steinkohleimporte aufdeckt, sind wahrlich bitter.

 

In Kolumbien geht es nicht nur um schwerwiegende Umweltfolgen, sondern auch um Menschenrechtsvergehen. Der US-amerikanischen Firma Drummond, einem der wichtigsten Kohleproduzenten Kolumbiens, wird vorgeworfen, jahrelang eine paramilitärische Einheit finanziert zu haben, die nicht nur Mine und Bahnlinie von Drummond schützte, sondern gleichzeitig hunderte Morde beging und tausende Menschen vertrieb. Im Januar 2013 wurde Jaime Blanco Maya, ein Sub-Unternehmer von Drummond, von einem kolumbianischen Gericht zu 38 Jahren Haft verurteilt. Er war Hauptangeklagter im Prozess um den Mord an zwei Gewerkschaftsführern. „Das Gericht ordnete an, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen weitere Verdächtige einleiten möge, darunter ehemalige und nach wie vor aktive Führungskräfte von Drummond“, erklärt Petra Langheinrich, Mitarbeiterin des kolumbianischen Anwaltskollektivs, das die Familien der ermordeten Gewerkschafter vertritt. „Trotzdem halten die deutschen Energieversorger RWE, E.ON und EnBW weiterhin an ihrer Zusammenarbeit mit Drummond fest“, so Langheinrich.

 

Auch in den anderen Lieferländern gibt es zahlreiche Probleme: „Der größte Teil der russischen Exportkohle stammt aus dem sibirischen Kuzbass. Dort belastet die Kohleförderung Luft, Böden und Trinkwasser so sehr, dass die Lebenserwartung der Menschen deutlich unter dem Rest des Landes liegt“, erklärt Vladimir Slivyak von der russischen Umweltorganisation Ecodefense. Aus den Appalachen, der für europäische Lieferungen wichtigsten Kohle-Abbauregion der USA, berichtet Paul Corbit Brown: „Bei uns werden die Bergspitzen weggesprengt und ganze Landschaften zerstört, der Abraum landet in ehemals klaren Bächen und Flüssen und vergiftet unser Trinkwasser.“ Corbit Brown engagiert sich in der Organisation „Keepers of the Mountains“ gegen diese Zerstörung seiner Heimat für den Kohleabbau.

 

Urgewald und FIAN schließen mit Forderungen an Politik und Energieversorger: „Wir brauchen  mehr Transparenz zur Herkunft der Steinkohle und die Energieversorger dürfen keine Kohle mehr importieren, deren Abbau mit schwerwiegenden menschenrechtlichen, sozialen oder ökologischen Problemen verbunden ist. Das mag dazu führen, dass erheblich weniger Kohle importiert werden kann, aber ein baldiger Kohleausstieg ist klimapolitisch ohnehin dringend nötig“ sagt Heffa Schücking von urgewald, Mitautorin des Dossiers. urgewald und FIAN werden auf den kommenden Hauptversammlungen deutsche Energieversorger mit der bitteren Bilanz ihrer Steinkohleimporte konfrontieren.

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