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WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)

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Vermittlungsausschuß und europaweite CCS-Planungen

co2altmark klein

 

In einer gemeinsamen Erklärung forderten gestern vor der Sitzung des 
Vermittlungsausschusses die Bürgerinitiativen aus Schleswig-Holstein, 
Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Bundesregierung wiederholt auf, ein 
CO2-Endlager-Unterlassungsgesetz zu verabschieden. Medienberichten 
zufolge scheiterten die Beratungen von Bund und Ländern zum CCS-Gesetz 
erneut.

Zuvor protestierten vor dem Bundesrat in Berlin etwa 100 Vertreter von 
Bürgerinitiativen aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, sowie Mitglieder 
des BUND und Greenpeace gegen die geplante Verpressung des Klimagases 
CO2.
Hierbei nahm MdB Dagmar Enkelmann (Linke) einen  dicken Leitz-Ordner 
entgegen: Die Bürgerinitative gegen CO2-Endlager Schleswig-Holstein 
hatte gut 380 Seiten Resolutionen und Statements gegen CCS aus Europa 
- ohne Anspruch auf Vollständigkeit! -  gesammelt und für jedes der 32 
Mitglieder des Vermittlungsausschusses zusammengestellt. Mitglieder 
der BI gegen CO2-Endlagerung Altmark (Sachsen-Anhalt) hatten schon am 
Nachmittag die 32 Ordner in der Poststelle des Bunderates angeliefert. 
So waren sie rechtzeitig zum Beginn der Sitzung "auf dem Tisch".

"Obwohl die Verklappung von CO2 in Deutschland weder bei den Bürgern 
noch bei der Politik Rückhalt genießt, betreiben die Konzerne 
weiterhin massive Lobbyarbeit", kritisiert Sylvia Wadewitz von der 
Bürgerinitiative CO2ntra Endlager aus dem Oderbruch (Brandenburg). So 
wurde unlängst bekannt, dass die Konzerne bereits Planungen für ein 
europäisches CO2-Pipelinenetz in Angriff nehmen und die Kosten dafür 
dem Steuerzahler aufbürden wollen.


In einer von der EU bezahlten Studie haben die Energiekonzerne 
Vattenfall, RWE, EON und andere ihre Vorstellung der Verwirklichung 
und Finanzierung der CCS-Technologie in Europa dargelegt. (Diese 
Studie wurde von Karel Beckman in dem Fachmedium "Carbon Capture and 
Storage" vom 17.11.2011 erläutert)  Demnach soll eine 22.000 Kilometer 
lange Pipeline durch Europa gebaut werden.  Zentral ist hierfür 
Deutschland genannt. Damit CCS ab 2020 in großem Stil genutzt werden 
könnte, müsste das Pipelinenetz schon jetzt geplant und gebaut werden, 
ehe die ersten Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung aus den 
Demonstrationsprojekten  vorliegen. Für die veranschlagten 50 
Milliarden Euro könnten nur dann Investoren gefunden werden, wenn es 
eine zentrale Planungsstelle gäbe und dem Netzbetreiber vom 
Steuerzahler oder Stromkunden eine Rendite von 20-30% garantiert 
würde. Gleichzeitig wird massive finanzielle Förderung durch EU und 
nationale Regierungen gefordert.

Die potentiellen Speicherkapazitäten für CO2 in Europa werden mit 300 
Gigatonnen angegeben, während bis 2050 nur mit 18 Gigatonnen 
gespeichertem CO2 zu rechnen sei. Zwar wird angemerkt, dass die 
Kapazitäten der vorrangig benötigten salinen Aquifere nur theoretisch 
existierten und bisher weder erschlossen noch untersucht wurden; es 
fehlt jedoch jeder Verweis auf die bisherigen Erfahrungen in Norwegen. 
  In der Utsiraformation steigt der Druck des verpressten CO2 nicht 
an, was auf ein unbegrenzt offenes Aquifer hindeutet. Dadurch dürfte 
das Auftreten von Leckagen nur noch eine Frage der Zeit sein.

Mehrere als dicht geltende Tonschichten hat das CO2 bereits 
durchwandert, da CO2 das Wasser aus dem Ton entzieht und ihn damit 
rissig und durchlässig macht. In Snøvit, nordwestlich von Hammerfest, 
liegt ein anderer denkbarer Speichertyp eines salinen Aquifers vor. 
Dieser Speicher ist dicht, deshalb steigt der Druck bereits nach 
wenigen Millionen Tonnen CO2 stark an und droht bereits das 
Deckgestein zu sprengen. Beide in Norwegen getesteten Formationen 
erwiesen  sich damit als ungeeignet, um für große Mengen an CO2 für 
einen langen Zeitraum als sicheres Endlager zu dienen.

Im Kostenvergleich zwischen neuen Leitungen zum Transport von Strom 
aus erneuerbaren Energien und dem Pipelinenetz für CO2 aus CCS sieht 
die Studie den Vorteil klar bei CCS. Damit wird in dieser Studie klar 
zum Ausdruck gebracht, dass CCS keine Brückentechnologie zu den 
erneuerbaren Energien sein soll, sondern zu diesen in Konkurrenz 
steht. Im Gegensatz zum Bundesumweltamt und dem Sachverständigenrat 
für Umweltfragen wird in dieser Studie bezweifelt, dass bis 2050 durch 
die erneuerbaren Energien die Stromversorgung in Deutschland 
sichergestellt werden könne.

"Die Forderung nach staatlicher Garantie von Renditen im Bereich 
20-30% passt nicht mehr in eine Zeit, in der europaweit Privilegien zu 
Lasten der Allgemeinheit beschnitten werden sollen. Die potentiellen 
Speicherkapazitäten werden kaum hinterfragt, obwohl die Erfahrungen 
aus Norwegen bereits zeigen, dass die Anzahl geeigneter Endlager 
weitaus geringer ist als von den CCS-Befürwortern erhofft. Zudem sind 
die Explorationskosten unkalkulierbar", kritisiert Reinhard Knof von 
der Bürgerinitiative "Stoppt das CO2.Endlager" aus Nordfriesland 
(Schleswig-Holstein). Deshalb tauchen diese Kosten im Report von 
Beckman auch nicht auf. Stattdessen wird im Widerspruch zum 
Bundesumweltamt und dem Sachverständigenrat für Umweltfragen die 
Versorgung durch erneuerbare Energien ab 2050 bestritten. Dazu passt, 
dass das bereits genehmigte Viking-Kabel zwischen Deutschland und 
Norwegen auf Wunsch der E.ON nicht verwirklicht wurde, so dass rund 
40% des Windstroms aus Schleswig-Holstein nicht genutzt werden können 
und die Wasserkraft Norwegens in Zeiten von erhöhtem Strombedarf in 
Deutschland nicht zur Verfügung steht, erklärt Knof.

"Diese Studie verdeutlicht, dass es bei CCS um Gewinnmaximierung der 
Unternehmen geht und der Ausbau der Stromnetze für die erneuerbaren 
Energien verhindert werden soll", so die gemeinsame Kritik der 
Bürgerinitiativen.



Mehr Infos zur Studie "CO2Europipe - Towards a transport 
infrastructure for large-scale CCS in Europe"

http://www.co2europipe.eu/Publications/CO2Europipe%20-%20Executive%20Summary.pdf

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