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Nach Brand auf Atomschiff droht mit MOX-Transport von Belgien nach
Brokdorf weit größere Gefahr / Atomkraftgegner fordern Absage des Transports
Nach Informationen der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt soll in den
nächsten Tagen ein Straßentransport mit plutoniumhaltigen
MOX-Brennelementen vom belgischen Dessel zum schleswig-holsteinischen
Atomkraftwerk Brokdorf rollen. Die insgesamt zwölf Brennelemente
enthalten zusammen mehr als 200 kg Plutonium. Der Transport soll aller
Voraussicht nach mitten durch die Millionenstadt Hamburg rollen.
Dazu erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:
„Kurz nachdem das ganze Ausmaß des Brandes eines Atomfrachters im
Hamburger Hafen bekannt geworden ist, gibt es nun die nächste
Hiobsbotschaft: Zwei LKW mit riesigen Mengen des Ultragiftes Plutonium
sollen quer durch Belgien, Holland und Deutschland und mitten durch
Hamburg rollen.
Wurde bei der Debatte über das brennende Schiff mit Uranhexafluorid noch
darauf hingewiesen, dass solche Gefahrguttransporte quasi eine
Alltäglichkeit für Hamburg darstellen, so lässt sich jetzt feststellen:
Der Transport von Material, mit dem sich 25 Atombomben vom Nagasaki-Typ
bauen ließen und das schon in allerkleinsten Mengen tödlich ist, ist
eine absolute Extremsituation.
Würde bei einem Unfall ein MOX-Behälter undicht und das Plutonium durch
Brandeinwirkung über eine größere Fläche verteilt, dann hätte das in der
dichtbesiedelten Millionenstadt Hamburg fatale Folgen. Denn schon wer
wenige Millionstel Gramm dieses Ultragiftes einatmet, ist akuter
Krebsgefahr ausgesetzt. Außerdem ist Plutonium wie andere Schwermetalle
hochtoxisch. Schon eine Dosis im zweistelligen Milligrammbereich ist für
Menschen tödlich. Eine rechtzeitige Evakuierung in einer
dichtbesiedelten Großstadt wäre kaum möglich. Konkrete
Katastrophenschutzpläne für einen Unfall mit einem MOX-Transport gibt es
nicht.
Veröffentlicht am 07.05.2013
Über 200 Feuerwehr- und Spezialkräfte kämpfen seit der Nacht gegen einen Großbrand auf einem Frachtschiff im Hamburger Hafen. Im Mitteldeck der "Atlantic Cartier" war ein Brand ausgebrochen.
MOX-Brennelemente sind nicht nur bei Verkehrsunfällen ein
unverantwortbares Risiko. Auch ihr Einsatz im Reaktor birgt zusätzliche
Gefahren. Das wurde der Weltöffentlichkeit durch die Ereignisse im
Reaktorblock 3 von Fukushima besonders deutlich. Atommüll aus MOX
strahlt etwas doppelt so stark wie der aus herkömmlichen
Uran-Brennelementen. Auch wenn wir den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks
Brokdorf grundsätzlich ablehnen, sei gesagt: Das AKW könnte auch ohne
MOX betrieben werden – und zwar deutlich sicherer.
Wir fordern die Behörden auf, den unnötigen Transport abzusagen und ein
Konzept zu entwickeln, wie Unfälle mit diesem extremen Gefahrgut
gehandhabt werden können, ohne dass Menschen zu Schaden kommen.
Sollte der Transport nicht abgesagt werden, muss die Bevölkerung genau über Routen und Zeitpläne informiert werden, damit sie sich selbst schützen kann.
Den Landesregierungen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei
gesagt: Der MOX-Transport enthält deutlich mehr Plutonium als die
geplanten Castor-Transporte aus Sellafield, über die gerade die halbe
Republik diskutiert. Die Innenminister der betroffenen Bundesländer,
also auch Hamburg, können den Transport verhindern, wenn sie sich nicht
in der Lage sehen, kurzfristig genügend Kräfte zu seiner Sicherung
bereitzustellen. Dann muss das Bundesamt für Strahlenschutz die
Transportgenehmigung zurückziehen.“
Bei den bisher letzten MOX-Transporten in Deutschland, als im Herbst
2012 das AKW Grohnde beliefert wurde, gab es entlang der ganzen Strecke
Protestaktionen von Atomkraftgegnern – in Grohnde selbst massive
Blockadeaktionen.
