Neue Studie der Energy Watch Group präsentiert alarmierende Ergebnisse zur zukünftigen
Ressourcenverfügbarkeit
Berlin, 25.03.2013.
Die globale Versorgungslage mit fossilen und atomaren Rohstoffen ist entgegen der in letzter
Zeit in der Öffentlichkeit kommunizierten Prognosen
sehr angespannt. So steuert die USA aktuell auf den
Höhepunkt der Schiefergasgewinnung zu, dem ein tiefer
Rückgang der Förderung noch in diesem Jahrzehnt
folgen wird. Die Erdölindustrie will den Förderrückgang der produzierenden Felder mit steigendem Aufwand
durch neue Fördersonden oder unkonventionelle Erdölförderung ausgleichen. Doch neue Fördertechnologien
wie Fracking sind umstritten und in den meisten Fällen von
schlechterer Qualität bzw. teurer in der Erschließung
oder haben einen höheren Schadstoffanteil.
In seiner neuesten wissenschaftlichen Studie präs
entiert die Energy Watch Group ein weltweites
Versorgungsszenario mit fossilen und nuklearen Brennstoff
en bis 2030. Der Bericht basiert auf einer von der
Energy Watch Group in Auftrag gegeben Studie zur Ressourcenverfügbarkeit im Jahr 2008, deren Daten
aktualisiert und insbesondere die le
tzten 5 Jahre kritisch betrachtet
wurden. Neben Erdöl wurde auch die
Verfügbarkeit von Erdgas, Kohle sowie die Situation der
Kernenergie und Uranversorgung untersucht. "Die Welt
steht am Scheideweg seiner Energieversorgung. Politik,
Wirtschaft und Verbraucher müssen verstehen, dass wir
jetzt Maßnahmen ergreifen müssen, um zukünftige Vers
orgungsengpässe zu vermeiden.“, so Werner Zittel,
Autor der Studie und Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung.
Die Studie belegt, dass billige und bisher reichlich vorhandene fossile Energieträger zu Ende gehen. Erdgas- als
auch die Kohleförderung werden vermutlich um das Jahr 2020 das Fördermaximum erreichen. Der Initiator der
Energy Watch Group Hans-Josef Fell geht davon aus,
dass: „Spätestens der bald erwartete Rückgang der
weltweiten Erdölförderung zu deutlichen Versorgungspr
oblemen führen wird. Über ein oder zwei Jahrzehnte
betrachtet wird der Rückgang so groß werden, dass er nicht durch eine Substitution mit Erdgas und Kohle
ausgeglichen werden kann. Auch die Kernenergie wird keinen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige
Energieversorgung haben. Wir werden schnell an unsere Grenzen stoßen.“
Wichtige Ergebnisse der Studie:
Gemäß der Förderanalyse ist es sehr wahrschei
nlich, dass um das Jahr 2030 die weltweite
Erdölförderung um etwa 40 Prozent gegenüber 2012 zurückgehen wird.
Die USA wird nicht zum Erdölnettoexporteur aufsteigen.
Die Förderung von “light tight oil” wird in den
nächsten 5 Jahren ihren Höhepunkt erreichen,
gefolgt von einem steilen Rückgang.
Die europäische Ölförderung ist heute bei 3 Mb/Tag,
das sind 60 Prozent weniger als im Jahr 2000 und
nahe der damaligen Prognose. Noch im Jahr 2004 ha
tte die IEA eine stabile Förderung bei 4,8 Mb/Tag
für 2010 erwartet.
Der um das Jahr 2015 eintretende vermutete Fö
rderrückgang der Schiefergasförderung in den USA
wird den Förderrückgang der konventionellen Erdgasfelder verstärken. Um das Jahr 2030 wird die
Gasförderung in den USA vermutlich deutlic
h unter dem heutigen Niveau liegen.
Die europäische Gasförderung befindet sich seit dem
Jahr 2000 im Förderrückgang. Dieser wird sich bis
2030 noch verstärken, wenn Norwegen das Fördermaximum überschritten hat. Die unkonventionelle
Schiefergasförderung wird in Europa sicher nicht die Rolle spielen wie in den USA. Die geologischen,
geographischen und industriellen Voraussetzungen sind in Europa wesentlich ungünstiger.
Um den Erdgasbedarf Europas auf heutigem oder leic
ht steigendem Niveau bei sinkender heimischer
Förderung zu bedienen, müssen bis 2020 mehr als 200 Mrd. m³/a zusätzlich importiert werden.
Russland ist heute nach den USA der zweitgrößte Gasf
örderstaat. Doch auch dort ist die Gasförderung
der größten Felder bereits im Rückgang und der he
imische Bedarf groß. Mit neuen Verbindungen nach
Asien wächst der Druck auf die europäischen Länder.
China’s Kohlebedarf wächst schneller als die heimische Förderung, so dass China vor wenigen Jahren
von einem Exporteur zum, neben Japan,
größten Importeur von Kohle wurde.
Der schnell steigende Bedarf wurde fast ausschließlich durch Australien und Indonesien gedeckt. Die
künftige Versorgung des internationalen Kohlemarktes wird vor allem von der Entwicklung in diesen
beiden Staaten abhängen, wobei Indonesien in den le
tzten Jahren die Förderung und die Exporte in
einem Tempo ausgeweitet hat, das an sein Ende kommt.
Die Qualität der Kohle wird spürbar schlechter und durch die starke Nachfrage aus China und Indien
wird die weltweite Kohleförderung um das Jahr 2020 das Fördermaximum erreichen.
Über die Energy Watch Group
Die EWG ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Dieses Projekt wird
unterstützt durch die Ludwig-Bölkow-Stiftung und di
e Reiner Lemoine Stiftung. Die Energy Watch Group
beauftragt Wissenschaftler mit der Erstellung von Studi
en und Analysen unabhängig von politischer oder
ökonomischer Einflussnahme. Themen sind: Die Verkn
appung fossiler und nuklearer Energieträger, Szenarien
zur Einführung regenerativer Ener
gieträger und Strategien zur Sicherung einer langfristig stabilen
Energieversorgung zu annehmbaren Preisen.
Die Wissenschaftler sammeln und analysieren nicht nur ökologische, sondern vor allem auch ökonomische und
technologische Zusammenhänge. Die Studienergebnisse werden nicht nur in Expertenkreisen, sondern auch der
politisch interessierten Öff
entlichkeit vorgestellt.
Hans-Josef Fell
Hans-Josef Fell, ist seit 1998 Mitglied des Deutsch
en Bundestages und dort Sprecher für Energie und
Technologie von Bündnis 90 / Die Grünen. Er ist Autor des Erneuerbare-Energien- Gesetzes (2000) und war
Wegbereiter der Steuerbefreiung für Biokraftstoffe. Er ist Chairman des Parlamentarierbeirates der Energy Watch
Group und Mitglied des World Council for Renewable Energy.
Dr.rer.nat. Werner Zittel
Dr.rer.nat. Werner Zittel, Autor der Studie und Vorst
and der Ludwig-Bölkow-Stiftung. Zittel war nach seinem
Physik-Studium wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der
DLR in Stuttgart und der Fraunhofer-Gesellschaft in
München. Seit 1989 bei der Ludwig-Bölkow- Systemte
chnik mit den Arbeitsschwerpunkten: Umweltaspekte der
Energieversorgung, energiewirtschaftliche Grundsat
zfragen und die Analyse von Energieversorgungs-
systemen.