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Langjähriger höchster technischer Experte der Bundesatomaufsicht listet
zahlreiche Sicherheitsmängel auf / 21 mögliche Unfallszenarien /
Atomkraftgegner fordern sofortige Stilllegung des Reaktors
Die Sicherheitssysteme des Atomkraftwerks Brokdorf reichen nicht aus, um
eine Kernschmelzkatastrophe mit massiver Freisetzung radioaktiver Stoffe
zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer gutachterlichen Stellungnahme,
die Dipl.-Ing. Dieter Majer, Ministerialdirigent a.D., im Auftrag der
Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt verfasst hat. Majer war im
Bundesumweltministerium bis zu seiner Pensionierung im Juni 2011 zwölf
Jahre lang Leiter der Unterabteilung für Sicherheit kerntechnischer
Einrichtungen und damit der höchste technische Experte der
Bundesatomaufsicht. Die Studie wurde heute vor der Landespressekonferenz
in Kiel vorgestellt.
"Das AKW Brokdorf stellt für ganz Norddeutschland ein gewaltiges
Sicherheitsrisiko dar", erklärt dazu der Sprecher von .ausgestrahlt,
Jochen Stay. "Es darf keinesfalls noch bis 2021 weiterlaufen, sondern muss
jetzt stillgelegt werden. Dies umso mehr, da das Kraftwerk für die
Stromversorgung im Norden überhaupt nicht mehr benötigt wird. Sein
Weiterbetrieb dient allein den Gewinn-Interessen von Eon und Vattenfall."
Majer listet 21 mögliche Unfallszenarien auf, die im AKW Brokdorf zu einer
Kernschmelze und damit zur großflächigen Freisetzung radioaktiver Stoffe
führen können. Seine Stellungnahme enthält Vorschläge für
risikoreduzierende Nachrüstungen, welche die Wahrscheinlichkeit einer
Kernschmelze verringern. Zugleich legt er dar, warum nur ein Abschalten
des AKW eine Kernschmelze sicher ausschließen kann.
Dieter Majer erklärt: "Ich würde meine Hand für Brokdorf nicht ins Feuer
legen. Es kann dort jederzeit zu einer Kernschmelze mit großen
Freisetzungen radioaktiver Stoffe kommen. Die Kernschmelze kann durch eine
Vielzahl von Ereignissen in Verbindung mit dem Versagen von
Sicherheitssystemen verursacht werden. Denn das Atomkraftwerk Brokdorf ist
gegen zahlreiche Unfallszenarien nicht oder nur unzureichend geschützt. Es
entspricht nicht dem im Atomgesetz formulierten Stand von Wissenschaft und
Technik. Niemand wird sagen können: ,Das haben wir nicht gewusst.' Die
Risiken liegen jetzt auf dem Tisch. Die Gesellschaft und die Politik
müssen sich bewusst entscheiden, ob sie bereit sind, diese Risiken zu
tragen oder Konsequenzen zu ziehen."
Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, erklärt:
"Die Landesregierung in Kiel als zuständige Atomaufsicht muss dringend
handeln. Sie ist dazu verpflichtet, die Bevölkerung vor atomaren Gefahren
schützen. Es ist ihre gesetzliche Aufgabe, im AKW Brokdorf den Stand von
Wissenschaft und Technik in Sicherheitsfragen durchzusetzen. Sie muss nach
dem Atomgesetz die Betreiber dazu verpflichten, entsprechende
Nachrüstungen vorzunehmen. Bis diese erfolgt sind, muss das AKW Brokdorf
vom Netz. Sind die Nachrüstungen den Betreibern zu teuer, steht es ihnen
frei, den Reaktor schon jetzt endgültig stillzulegen.
Sollten Eon und Vattenfall argumentieren, dass sich bestimmte
Nachrüstungen bis zur geplanten Stilllegung nicht mehr amortisieren, so
ist das ihr Problem und kann für Politik und Behörden nicht maßgeblich
sein: Sicherheit geht auch nach dem Atomgesetz in jedem Fall vor.
Schließlich bekommt auch niemand eine TÜV-Plakette für ein Auto, bei dem
die Bremsen nicht funktionieren - auch wenn er damit argumentiert, die
Instandsetzung würde sich bis zur geplanten Verschrottung des Wagens nicht
mehr rentieren."
Die gutachterliche Stellungnahme steht sowohl in einer Lang- als auch
einer Kurzfassung hier zum Download bereit:
http://www.ausgestrahlt.de/brokdorf