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Energiewende: So viele neue Kohlekraftwerke wie noch nie

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Münster (iwr-pressedienst) - In Deutschland gehen in diesem Jahr so viele
neue Kohlekraftwerke ans Netz wie noch nie in den letzten 20 Jahren. Nach
den Daten der Bundesnetzagentur werden im Jahr 2013 neue
Steinkohle-Kraftwerke mit einer Rekordleistung von fast 5.300 Megawatt
(MW) erstmals Strom produzieren, teilte das Internationale
Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit. Weil laut
Planungen nur knapp 1.000 MW alte Steinkohle-Kraftwerke stillgelegt
werden, drängen unter dem Strich zusätzliche konventionelle
Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von 4.300 MW auf einen schon
jetzt gesättigten Markt.

"Der Zuwachs an erneuerbaren Energien und der Rückgang des Stromverbrauchs
haben die Stromlücke durch die acht AKW-Abschaltungen im Jahr 2011 bereits
heute vollständig kompensiert", sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch.
Sichtbar wird das auch am deutschen Stromexport-Überschuss, der im letzten
Jahr auf 23 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) kletterte und einen
neuen Rekordwert erreichte. Auch die Abschaltung der nächsten zwei
Atomkraftwerke im Jahr 2015 und 2017 mit einer Gesamt-Jahresproduktion von
rd. 20 Mrd. kWh führt bei einem kontinuierlichen Ausbau der erneuerbaren
Energien an Land und vor der Küste (Offshore-Windenergie) zu keiner
erkennbaren Stromlücke, so das IWR. Allnoch: "Es ist erstaunlich, dass
sich die politische Debatte um die Energiewende derzeit nur auf das
Ausbremsen der erneuerbaren Energien konzentriert, während gleichzeitig
weitgehend unbemerkt neue Kohlekraftwerke mit einer Rekordleistung ans
Netz gehen."

Strompreise weiter unter Druck
Da in den nächsten Jahren noch weitere große Kohlekraftwerke geplant sind,
dürfte sich der Druck auf die Strompreise noch weiter verschärfen. Und die
sind für Großabnehmer heute schon so niedrig wie zuletzt 2005. Allnoch:
"Wer jetzt  Grundlaststrom an der Börse bis zum Jahr 2017 kauft, der zahlt
mit knapp über 4 Cent pro kWh bis zu 55 Prozent weniger als 2008 und hat
darüber hinaus für die nächsten vier Jahre Preisstabilität."


Hintergrundinfos
Die Bruttostromerzeugung in Deutschland erreichte im Jahr 2012 nach
vorläufigen Angaben insgesamt 617,6 Mrd. kWh und damit 11 Mrd. kWh weniger
als 2010 (628,6 Mrd. kWh). Kernkraftanlagen haben 2010, d.h. vor dem
Atomausstieg, 140,6 Milliarden kWh Strom produziert. Im Jahr 2012 fiel die
AKW-Stromproduktion im Vergleich zu 2010 um 41 Milliarden kWh auf 99,5
Mrd. kWh. Wegen der niedrigeren Stromerzeugung (-11 Mrd. kWh) ergibt sich
eine Nettostromlücke aus AKW-Abschaltungen von 30 Mrd. kWh. Diese Lücke
wurde durch erneuerbare Energien mit einem Zuwachs um 32 Milliarden kWh
gegenüber 2010 kompensiert. Trotz der gesunkenen Stromproduktion stieg der
deutsche Stromexport-Überschuss im Jahr 2012 auf 23 Mrd. kWh und damit auf
einen neuen Rekordwert.


Münster, den 27. Februar 2013

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