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Berlin: Bei der Abschlussveranstaltung der Nano-Kommission der Bundesregierung zog der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine ernüchternde Bilanz. Vier Jahre nach Arbeitsbeginn des Gremiums mit Vertretern aus Gesellschaft, Industrie, Politik und Wissenschaft würden Alltagsprodukte mit Nanomaterialien in Deutschland weiterhin ungebremst vermarktet, z. B. in Textilien, Kosmetika und im Lebensmittelsektor. Dabei gebe es immer mehr Hinweise auf mögliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken. Hinzu kämen gravierende Lücken in der Sicherheitsforschung. "Die Schere zwischen Risikoforschung und Vermarktung klafft heute weiter auseinander als zu Beginn der Arbeit der Nano-Kommission", sagte Patricia Cameron, BUND-Nano-Expertin und Mitglied der Nano-Kommission.
Von einem verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien, dem eigentlichen Ziel der Nano-Kommission, sei man weit entfernt. Der bereits vor zwei Jahren von der Nano-Kommission vorgelegte Verhaltenskodex mit Maßnahmen für einen sicheren Umgang mit Nanomaterialien in der Industrie würde bisher von fast keinem Unternehmen umgesetzt.
Cameron: "Da die freiwillige Selbstkontrolle offensichtlich nicht funktioniert, brauchen wir Gesetze, die Umwelt und Verbraucher vor den Risiken der Nanomaterialien schützen. Bisher können Verbraucher noch nicht einmal erkennen, ob Zahnpasten, Matratzen oder Lebensmittelverpackungen Nanomaterialien enthalten, da eine Kennzeichnungspflicht fehlt. Das muss dringend nachgebessert werden." Unter anderem müsse die europäische Chemikalienverordnung REACH um Regelungen für Nanomaterialien ausgeweitet werden.
Der BUND forderte von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Einrichtung einer öffentlichen Datenbank mit Nano-Produkten. Nur so hätten Verbraucher die Wahlfreiheit, sich für oder gegen Nano-Produkte zu entscheiden. Der BUND hat im Internet eine Datenbank mit rund 200 Nano-Produkten veröffentlicht. Es sei jedoch von weit mehr Produkten auszugehen.