WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)
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Sehr geehrter Herr Dr. Hartmann,
beim Titel Ihrer Tagung haben Sie vergessen hinzuzufügen, wessen Hoffnung da getragen werden soll. Die Hoffnung derjenigen, die aus Verantwortung gegenüber künftigen Lebensbedingungen den möglichst raschen Wechsel zu den erneuerbaren Energien anstreben oder die Hoffnung derjenigen, denen es um weiteres Profitieren an Kohle, Öl und Gas geht?
Die ganze Thematik CCS ist in den letzten 3 bis 4 Jahren rauf und runter dekliniert worden. Die Lobby, deren Lebensunterhalt von Vattenfall, E.on, RWE usw. abhängt, hat natürlich nicht aufgehört, CCS als das Mittel anzupreisen, das Kohlekraftwerke etc. angeblich "klimafreundlich" machen kann. Der unabhängige Sachverstand hat dringend davon abgeraten und plädiert dafür, das uns zur Verfügung stehende Potential an Mitteln und know how in eine möglichst baldige Vollversorgung aus den naturgegebenen unerschöpflichen Quellen zu investieren.
Nur beispielhaft führen wir hierfür an den Sachverständigenrat für mweltfragen, das Umweltbundesamt, Klaus Töpfer, Wissenschaftler wie Prof. Christian von Hirschhausen (DIW), Dr. Ralf E. Krupp, Ulf Bossel, Mark Zoback und Steven Gorelick (Stanford University, Kalifornien), jene, die für die Trinkwasserversorgung Verantwortung tragen und zahlreiche Stimmen aus der Evangelischen Kirche, z.B. den Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vom November 2012.
Praktisches Ergebnis dieser Diskussion ist, dass trotz heftigen und unlauteren
Bemühungen von mächtiger Seite das deutsche CCS-Gesetz im Bundesrat zunächst scheiterte und ihn nach Einfügung der Länderklausel mit gerade 1 Stimme Mehrheit passierte. Ein Bundesland hat schon, zwei weitere haben angekündigt (in weiteren wird die Ankündigung angestrebt), durch Landesgesetz die CO2-Verpressung zu verbieten.
Sie, Herr Hartmann, wollen nun alles wieder von vorne aufrollen, obwohl sich an der Sachlage bezüglich CO2-Verpressung nichts geändert hat. Ganz offensichtlich stehen hinter Ihnen milliardenschwere Konzerne, die im Interesse ihrer Aktionäre die widersinnige CCS-Technik doch noch mit allen Mitteln versuchen müssen durchzudrücken. So gibt es in letzter Zeit wieder eine Vielzahl von Veranstaltungen pro CCS.
"Akzeptanzforschung" soll herausfinden, wie durch psychologisch ausgeklügelte Methoden die Menschen verunsichert werden können, um ihren Widerstand gegen die CO2-Verpressung aufzugeben. Offenbar beabsichtigen die CCS-Strategen gerade auch die Kirchen zu instrumentalisieren, wie etwa an der Internet-Seite „GlaubeAktuell“, die für CCS wirbt, und auch an Ihrer Veranstaltung deutlich wird.
Wir bedauern es außerordentlich, dass Sie sich in diese Strategie einbinden lassen. - Wir fragen uns auch, was jener Jesus von Nazareth Ihnen wohl noch bedeuten mag, der sich zu unsinnigem Reichtum, Geldgier etc. doch sehr eindeutig und drastisch geäußert hat.
Es geht bei der "Energiewende" um sehr viel mehr als den Umstieg von einer Technik in eine andere. Es geht um einen Wechsel von Zentralismus zu Dezentralität. Dies wiederum bedingt andere gesellschaftliche Strukturen: statt Konzernhierarchie breite Streuung von Verantwortung für die Energieerzeugung, damit einhergehend eine tiefere Art von Demokratie als wir sie bisher kennen. - Und natürlich muss auch noch sehr viel mehr gewendet werden als die Art der Energieerzeugung, wenn dieser Planet in Zukunft noch ein lebensfreundlicher Platz sein soll.
Doch Derartiges interessiert Sie offensichtlich nicht. In Ihrer Einladung erklären Sie u.a. Sonne und Wind zu "Rohstoffen", die überdies auch noch "begrenzt" seien wie die fossilen! Unter solchen Prämissen kann ein intelligentes und verantwortliches Nachdenken schwerlich stattfinden. Es wundert nicht, dass Menschen, die derartige Gleichsetzungen vornehmen, auch nichts dabei finden, in das zweite Endlagerproblem einzusteigen, bevor das erste einer Lösung auch nur nahe ist. (Und beim Atommüll handelt es sich um Tausende Tonnen eines in Behälter eingeschlossenen Materials, bei CCS-Realisierung würden viele Milliarden Tonnen eines Gases behälterlos in den Untergrund verpresst.)
Vermutlich halten Sie es mit der Sorglosigkeit des IGBCE-Vorsitzenden, der die Kohleverstromung mit CCS so lange aufrecht erhalten will, bis die Kohlevorräte aufgebraucht sind. "Danach werden unsere Nachfahren sicher Wege gefunden haben, den Energiebedarf der Menschheit allein aus erneuerbaren Quellen und ohne Treibhauseffekt zu stillen." schließt Vassiliadis seinen Brief vom 4.1.2011 an die „Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager Schleswig-Holstein“.
Sehr geehrter Herr Dr. Hartmann, wenn Sie sich selbst, Ihrer Kirche und der Menschheit etwas Gutes tun wollen, dann beenden Sie Ihre Zusammenarbeit mit der CCS-Lobby.
Blasen Sie diese Tagung ab und planen Sie eine neue, die sich nicht im Kreis dreht und die Diskussion dumm wieder am Nullpunkt beginnt, sondern den Blick nach vorne richtet: auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien zur Grundlastfähigkeit und auch auf die gesellschaftlichen und tiefer gehenden Implikationen der Energiewende.
Mit freundlichen Grüßen im Auftrag der Bürgerinitiativen:
Dr. Christfried Lenz ("Kein CO2-Endlager Altmark")
Bernhard Rensink (Vorsitzender der "Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager, Schleswig-Holstein")
Sylvia Wadewitz (Bürgerinitiative „Co2ntra Endlager MOL/Neutrebbin“)