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WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)

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706 FÄLLE RECHTER GEWALT IN OSTDEUTSCHLAND

Beratungsstellen veröffentlichen Jahresstatistik zu rechter Gewalt in
Ostdeutschland:

706 FÄLLE RECHTER GEWALT IN OSTDEUTSCHLAND

Im Jahr 2011 erlangten die Opferberatungsstellen in den östlichen
Bundesländern und in Berlin Kenntnis von insgesamt 706 rechtsmotivierten
Gewalttaten. 2010 waren 704 Angriffe dokumentiert worden.

Während in Berlin ein massiver Anstieg rechter und rassistischer Gewalt
zu verzeichnen ist (2011: 158, 2010: 109), blieben die Angriffe in
Mecklenburg-Vorpommern (2011: 97, 2010: 96) und Sachsen-Anhalt (2011:
132, 2010: 132) auf anhaltend hohen Niveau wie im Vorjahr. In
Brandenburg (2011: 84, 2010: 108) und Sachsen (2011: 186, 2010: 239)
wurden weniger Angriffe dokumentiert. In Thüringen ist aufgrund eines
Trägerwechsels der dortigen Beratungsstelle ein Vergleich mit den
Vorjahreszahlen nur bedingt möglich (2011: 49).

Insgesamt wurden die meisten Angriffe in Sachsen (186) gezählt, gefolgt
von Berlin (158), Sachsen-Anhalt (132), Mecklenburg-Vorpommern (97),
Brandenburg (84) und Thüringen (49). Von den 706 Angriffen waren
mindestens 1.593 Menschen direkt betroffen. Bei zwei Dritteln der
Gewalttaten handelte es sich um Körperverletzungsdelikte (449). In 374
Fällen richtete sich die Gewalt gegen junge Menschen aus linken und
alternativen Milieus. 226 Mal war Rassismus die Tatmotivation.

Berlin registrierte die höchste Angriffszahl seit 2006. Am häufigsten
wurden dort Menschen aus rassistischen Motiven verletzt. In
Sachsen-Anhalt hat sich die Anzahl der Gewalttaten gegen »politische
Gegner« im Vergleich zum Vorjahr nahezu vervierfacht. In
Mecklenburg-Vorpommern setzten Neonazis die Serie von Anschlägen auf
Büros von Landtagsabgeordneten demokratischer Parteien und Angriffe auf
Kulturzentren fort. In Sachsen ging die Anzahl der Angriffe im
ländlichen Raum um fast 30 Prozent zurück, während sie in Dresden und
Leipzig auf hohem Niveau blieben. Betroffen waren vor allem nicht-rechte
Jugendliche. In Brandenburg sind die dokumentierten Angriffszahlen
rückläufig. Schwerpunkte liegen in Cottbus, Frankfurt (Oder) und
Wittstock. Auffällig ist in Thüringen die hohe Zahl der direkt
Betroffenen. Hintergrund war ein Überfall auf das Park- und Schlossfest
in Greiz. Eine Gruppe von von 15 bis 20 Männern stürmte ein
abgeschlossenens Konzertgelände. Etwa 100 Menschen fanden sich plötzlich
in einer bedrohlichen Situation wieder, in der die Täter mit Reizgas in
die Menge sprühten, Bierbänke und -gläser warfen und einen Mann gezielt
niederschlugen. Bei der Verhandlung am Amtsgericht Gera stellte sich als
Tatmotiv die Ablehnung einer Gruppe alternativer junger Menschen heraus,
die sich auf dem Gelände aufhielten.

Bundesweit wurden zwei Menschen 2011 durch Neonazis getötet. Am 27. März
2011 wurde der vietnamesische Wohnungslose Duy-Doan Pham in Neuss (NRW)
von zwei Männern zu Tode geprügelt. Einer der Täter hatte Kontakte zur
Neonaziszene und trägt ein Hakenkreuz auf seiner Brust tätowiert. Das
dritte Jahr in Folge forderte rechte Gewalt in Sachsen allem Anschein
nach ein Todesopfer. Am 27. Mai wurde der Wohnungslose André K. in
Oschatz (Sachsen) brutal zu Tode geprügelt. Die bisherigen Informationen
zu Tathergang und Tätern geben Hinweise auf ein rechtes Tatmotiv. Es ist
daher nicht auszuschließen, dass Andre K. aufgrund sozialdarwinistischer
Einstellungen sterben musste.


Jedes Jahr werden Menschen aus rassistischen, antisemitischen,
homophoben oder sozialdarwinistischen Motiven angegriffen und ermordet.
Dass diese Tatmotive von gesellschaftlicher und staatlicher Seite ernst
genommen und anerkannt werden, wäre ein erster Schritt der Solidarität
mit den Opfern und den Hinterbliebenen. Bisher taucht nur ein Drittel
der Todesopfer rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung in den
offiziellen Statistiken auf. Wir fordern, dass die offiziellen Zahlen
der Todesopfer rechter, rassistischer Gewalt korrigiert werden.

Um Betroffene schnell, angemessen und unbürokratisch zu unterstützen und
ein unabhängiges Monitoring zu gewährleisten ist eine dauerhafte und
langfristige Finanzierung der Opferberatungsprojekte nötig. Nicht
zuletzt die rassistischen Morde und Anschläge des
»Nationalsozialistischen Untergrunds« und die Tatsache, dass viele
Angehörigen und Betroffene vor Ort weitestgehend alleine dastehen machen
deutlich, dass ein flächendeckender Auf- und Ausbau der professionellen
Opferberatungsprojekte in den westlichen Bundesländern längst überfällig
ist.

*Statistisches Material zu Angriffszahlen, Tatmotiven und
Straftatbeständen:*
http://www.opferperspektive.de/Presse/1106.html

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