Während die drei ersten Damen mit wunderbarer Stimme mehr oder weniger traditionellen Jazz interpretierten, tauchte Anna Anderluh in den experimentellen Musikbereich und bereicherte damit den Abend um ein Vielfaches.
Eine der fünf unten aufgeführten Sängerinnen musste ihren Auftritt absagen.
Christina Hein (Erstsemester) begann den Abend mit einer wundervollen entwicklungsfähigen Stimme, die zwar an den schwierigen Stellen etwas mehr Übung benötigt, aber mit einer erfrischenden Leichtigkeit über Liebe u.ä. Dinge sang. Negativ geschrieben: Kann mensch "richtigen" Jazz spielen/singen, ohne ein gewisses Mass an Lebenserfahrung. Traurige Lieder müssen auch traurig klingen! Aber natürlich!: Es braucht auch etwas Zeit um Lebenserfahrungen zu sammeln...
Achja, das "Theater im Zimmer" war rappelvoll. Mit soviel Andrang hatten die Veranstalter_innen nicht gerechnet. Die Belüftung im Saal war mangelhaft, aber Kenneth Norris (Lehrer für Jazzgesang) versprach nicht nur zukünftig diese Konzertreihe fortzusetzen, sondern auch in's Forum der HFMT umzuziehen. Fehlt eigentlich nur der E-mail-Verteiler für alle Interessent_innen...
Die zweite Sängerin - eine Berlinerin aus dem zweiten Semester - erfreute das Publikum mit einer stimmlich einwandfreien Leistung.
An dieser Stelle muss ich mal die hervorragende Qualität der begleitenden Musiker hervorheben! Bass, Klavier, Drums (siehe unten) plus ein Percussionist!
Als dritte Gesangsdarbietung einer Frau aus dem dritten Semester, die seit längerer Zeit mit einem Gitarristen zusammenarbeitet, der's echt drauf hat! Der Gesang irgendwie nicht von dieser Welt, für meinen Geschmack auf Dauer dann aber doch zu monoton. Das könnte ich mir keine Stunde lang anhören. Teilweise Bluesig, tlw. in's Liedhafte gehend, bezauberte sie die Zuhörer_innen. Sicher schon mit Live-Erfahrungen.
Als Nicht-Jazz-Freund war für mich der Konzertbeitrag von Anna Anderluh (Austauschstudentin aus Österreich über das Erasmus-Programm) die Krönung des Abends. Manchen Menschen kann mensch einfach abnehmen, was sie singen. Auch wenn die Ansagen noch etwas unbedarft am Publikum vorbeigleiteten, waren die musikalischen Beiträge sowas von schonungslos, wahrhaftig und vor allem stilsicher, dass ich gern mal ein Solokonzert von Anna und ihrem musikalischen Piano-Begleiter besuchen würde. Ich werde gleich mal recherchieren, ob es im Netz was zu hören gibt. Ein Video füge ich unten schon mal ein. Auf jeden Fall ging die künstlerische Darbietung in den Bereich der Neuen Musik. Piano-Saiten-Zupfen und präpariertes Piano inklusive. Mehr davon!
Einmal mehr wurde ich (beim Jazz) von einem sehr engstirnigem Publikum überrascht. Beim Beitrag von Anna Anderluh verliess ein Pärchen sogar den Raum. Mein Nachbar und seine Gefährtin versagten auf einmal die Hände. Da reichte es noch nicht mal mehr für einen Anstandsbeifall der Anständigen. Ist Jazzpublikum so? Wenn ich's nicht mehr in Traditionell, Bebop, Brasilianisch, wie auch immer-einordnen kann, dann iss'es nicht gut, oder was? Ihr sollt ja nicht zum Schlagermove gehen, aber etwas mehr Offenheit für Grenzen sprengen sollte schon sein! Oder ist der Jazz gottgegeben? Was ist dann eigentlich mit Free-Jazz?
Kenneth Norris klärte das Publikum darüber auf, dass die Jazz-Vocal-Abteilung zur Zeit privat finanziert ist. Perspektivisch soll das die Stadt übernehmen. Mit der Bitte, es Deinem Abgeordnetem/Senatsmitglied wissen zu lassen, dass die da 'ne gute Arbeit machen, entliessen die Musikant_innen mit einer gemeinsamen Abschlusssession das Publikum in einen wunderbaren Sommerabend.
Eyh, und das Alles ohne Eintritt!
New Vocal Music Ensemble - Live at Jazzweekend Linz 2010 Part1
Anna Anderluh ist die Sängerin ganz links.
Das New Vocal Music Ensemble unter der Leitung von Elfi Aichinger bezaubert sein Publikum seit einigen Jahren mit raffinierten, von den Ensemblemitgliedern
teils selbst verfassten Arrangements für 5 und mehr Stimmen und Rhythmusgruppe. Diesmal umgibt Frau sich mit einem durch Klavier verstärkten Streichquintett,
was in Kombination mit den Charakterstimmen eine Darbietung voll Spannung und Klangreichtum mit Anlehnung an zeitgenössisches
Kammermusikgeschehen erwarten lässt.
Besetzung:
Lana Cencic - voc, leader
Anna Anderluh - voc
Anna Pirngruber - voc
Anna Laszlo - voc
Thessa Habeler - voc
Emily Stewart - violin
Florian Sigharter - violin
Martina Engel - viola
Anna Lang - cello
Benedikt Halus - doublebass
David Six piano
Samstag, 07.07.12, 19:00 Uhr, Theater im Zimmer
Vocal Jazz Night
Semester-Abschlussabend Jazz
Das Vocal-Ensemble des Studiengangs Jazz an der Hochschule für Musik und Theater präsentiert die Arbeit des vergangenen Studienjahres. Zu hören sein werden die fünf Gesangssolistinnen Joscheba Schnetter, Marylin Gongora, Carolina Melean, Christina Hein und Anna Anderluh. Die Sängerinnen werden begleitet von Studenten der Jazzabteilung.
Gesang:
Carolina Meleán
Joscheba Schnetter
Marilyn Góngora
Christina Hein
Anna Anderluh
Klavier: Peter Scharonov-Piano
Bass: Hendrik Müller-Bass
Schlagzeug: Sören Weinrich-Drums
Eintritt: frei
Veranstaltungen der Hochschule für Musik und Theater: