WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)
In seiner Bürgerschaftsrede zu der geplanten Ehrung von Opfern der NS-Militärjustiz sagte Norbert
Hackbusch, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft:
„Es gibt über 150 Kriegs- und Kriegerdenkmale in dieser Stadt. Aber kein Denkmal für Deserteure
und andere Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz. Kein Denkmal für die zum Teil sehr
mutigen Menschen, die sich diesem menschenverachtenden System entgegengestellt haben.“
Auf Initiative der LINKEN hatte sich der Kulturausschuss zuvor darauf geeinigt, die Ehrung der so
genannten Wehrkraftzersetzer mit der Einrichtung eines Beirates vorzubereiten. Ein entsprechender
fraktionsübergreifender Antrag wurde in der Bürgerschaft debattiert.
In seiner Rede erinnerte Hackbusch daran, dass Hamburg ein Zentrum der NS-Militärjustiz war und
Hunderte von Menschen in unserer Stadt wegen unerlaubten Entfernens von der Truppe inhaftiert
und getötet worden sind - unter ihnen der Schriftsteller Wolfgang Borchert, dessen Tod kurz nach
dem Krieg eine Folge seiner Haft war.
Nach dem Krieg sei die Diskriminierung der Deserteure und ihrer Familien mitunter noch jahrzehntelang
weiter gegangen, sagte Hackbusch. „Im Unterschied zu den Hinterbliebenen der Gefallenen
erhielten die die Witwen und Waisen der Deserteure keine Kriegsopferversorgung zugesprochen“,
sagte Hackbusch. „Erst im Jahre 2002 hob der Deutsche Bundestag alle wegen Fahnenflucht und
Zersetzung der Wehrkraft ergangenen Urteile auf.“
Hackbusch teilte die Auffassung des Kulturausschusses, keinen weiteren Gedenkstein aufstellen zu
wollen, sondern vielmehr eine „ansprechende Form des Gedenkens“ zu entwickeln. Dazu habe es in
der Expertenanhörung schon „kräftige erste Vorschläge“ gegeben.
Hackbusch sprach sich außerdem für den Standort Dammtor aus, dort wo jetzt das 76er-Denkmal,
kurz ‚Kriegsklotz’ genannt, steht. „Meine Auffassung dazu ist deutlich: Der Kriegsklotz ist eine
Schande für diese Stadt“, sagte Hackbusch in der Bürgerschaft. „Dieser Platz darf so nicht weiter
bestehen. Die Errichtung eines Deserteursdenkmals wäre eine gute Gelegenheit, zwei Aufgaben auf
einmal zu lösen. So haben es alle Experten gesehen. So sehe ich es.“