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WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)

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Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt 18. Dezember 2012 bis 31. März 2013

EndstationMeer_OuttotheSea_Plastikmuell_Paphanaumokuakea.jpg

Plastikmüll am Strand
Papahanaumokuakea Marine National Monument, 2006
Foto/© Paulo Maurin/NOAA

 

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt die Ausstellung „Endstation Meer? Das Plastikmüll Projekt“ des
Museums für Gestaltung Zürich. Hamburg ist die erste Station der internationalen Wanderausstellung, die im Anschluss
zunächst in Finnland und Dänemark zu sehen ist. Das Projekt und die Tournee werden finanziert von der Drosos Stiftung.
Die Hamburger Station wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Projektpartners Michael Otto Stiftung für
Umweltschutz. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Im Mittelpunkt
stehen die gigantischen Mengen Plastikmüll, die täglich in die Meere gelangen, die Folgen der Verschmutzung für die
Natur und den Menschen sowie verschiedene Lösungsansätze für dieses globale Problem. Das Zentrum der Ausstellung
bildet ein gigantischer Berg aus Plastikmüll, der aus drei Weltmeeren zusammengetragen wurde. Nach der Neueinrichtung
der Dauerausstellung Design richtet das MKG nun den Fokus auf die Hintergründe und die Folgen der Design- und
Produktionsgesellschaft, auf die negativen Seiten von Massenkonsum und von der vermeintlich endlosen Verfügbarkeit der
Dinge. Die Hafenmetropole Hamburg, deren Hauptwirtschaftsfaktor der Seehandel ist, zeigt sich als Standort geradezu
prädestiniert. Darüber hinaus stammt ein großer Teil des in der Ausstellung gezeigten Müllbergs von der beliebten
Urlaubsinsel Fehmarn in der Ostsee. Die Ausstellung bietet mit Filmen, Fotografien, Zeichnungen, Objekten,
Installationen, Cartoons und Konsumartikeln Einblick in das Problem Plastik und klärt auf über zahlreiche Sachverhalte
und Zusammenhänge. Begleitet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene. Workshops, Diskussionsforen mit Wissenschaftlern, Designern, Produzenten und
Umweltschützern sollen zum bewussteren Handeln anregen und für das Thema Plastik sensibilisieren. Weitere
Informationen bietet die Homepage www.plasticgarbageproject.org. Auf www.facebook.com/PlasticGarbageProject
können Besucher und Interessierte mitdiskutieren. Die Hamburger Station wird gesponsert von der Lighthouse
Foundation, Hamburg Wasser und der Stadtreinigung Hamburg.

 

Plastiktüte, Kinderspielzeug, PET-Flasche, Lebensmittelverpackungen … Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Erdölbasierte
Material seinen Siegeszug durch die Konsumwelt angetreten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist preiswert,
einfach in der Verarbeitung und nimmt fast jede gewünschte Eigenschaft an. Heute werden weltweit pro Sekunde 8000 kg
Kunststoffe hergestellt. Unser Alltag ist voll von Plastik. Was aber passiert mit einem Plastikprodukt nach dem Ende seines Lebenszyklus? Ein großer Teil dieser Produkte landet unkontrolliert in unserer Umwelt und schließlich in unseren Meeren und verwandelt diese schleichend in eine globale Plastiksuppe. Jedes Jahr gelangen mehr als 6,4 Millionen Tonnen Abfälle in die Ozeane. 80 Prozent dieser Abfälle stammen vom Land. Bereits heute gibt es keinen Quadratkilometer Meerwasser, der frei ist von Plastikteilen. Obwohl nur ein kleiner Teil davon an der Oberfläche treibt, bilden sich aufgrund der Meeresströmungen gigantische Plastikstrudel. Die derzeit umfangreichste dieser schwimmenden Inseln befindet sich im Pazifik und hat bereits die Größe von Mitteleuropa erreicht. Da herkömmliches Plastik nicht biologisch abbaubar ist, wird er in immer kleinere Stücke aufgebrochen und gelangt schließlich sogar in die Nahrungskette. So findet der Mensch den Müll am Ende auf dem Teller wieder, mit gravierenden Konsequenzen für die Gesundheit.


Die Ausstellung


Zentrum der Ausstellung „Endstation Meer?“ und Symbol für die ökologische Katastrophe ist eine Installation von
Plastikschwemmgut aus verschiedenen Weltmeeren. Hauptsächlich stammt es aus Strandsäuberungen auf Kaho’olawe
(einer unbewohnten Insel auf Hawaii), auf Fehmarn (Ostsee) und auf beliebten Nordsee-Insel Sylt. An den gezeigten
Stücken lassen sich Herkunft, Lebenszyklus, Sinn und Unsinn der Plastikprodukte nachvollziehen. Neben rätselhaften
Gegenständen aus der Fischereiindustrie findet man die Reste wohlbekannter Alltagsobjekte wie Plastikbecher oder
Zahnbürsten, die sichtbare Spuren des Treibens im Salzwasser und des Zusammentreffens mit Meeresbewohnern

aufweisen. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung den Hintergrund des Problems und seine fatalen Auswirkungen auf
Meere, Tiere und Menschen. Die verbreitetesten Kunststoffe werden vorgestellt, Fragestellungen zu Konsum,
gesundheitlichen Risiken, Mikroplastik, Materialkreisläufen oder Biokunststoffen beleuchtet. Außerdem werden lokale
und internationale Lösungsansätze im Sinn von Reduzieren, Umnutzen oder Wiederverwerten präsentiert. Diese sollen
zum Nachdenken und letztlich auch zum Handeln anregen.


1. Thema: Plastik im Meer


Eintauchen: Die fotografisch und zeichnerisch umgesetzte Animation von Tamara Aepli simuliert die Situation von
Plastikobjekten im Wasser und führt vor, wie Plastik in den marinen Lebensraum eindringt, sich integriert und weshalb
Plastik von Tieren mit Nahrung verwechselt wird.


Archäologie der Zukunft: Auch Jahrhunderte nach unserer Zeit finden sich Plastikobjekte von heute an Stränden oder im
Meer. Als Zeugen unserer Zivilisation werden sie so langfristig zu archäologischen Objekten. Studierende der Vertiefung
Scientific Visualization an der Zürcher Hochschule der Künste haben Schwemmgutobjekte aus Hawaii zeichnerisch
untersucht, als wären es Funde aus der Bronze- oder Steinzeit. Die Darstellungen eröffnen einen faszinierenden Blick auf
die an sich wertlosen Plastikabfälle.


Plastikmüllstrudel: In den Meeren existieren großräumige dreidimensionale Strömungssysteme, die durch die Erdrotation,
Windbewegungen, Druck-, Temperatur- und Salzgehaltunterschiede sowie die Topografie des Meeresgrundes entstehen.
Die sogenannten oberflächlichen Meeresströmungen, welche vor allem durch Windbewegungen gelenkt werden, führen in
fünf Bereichen der Weltmeere zur Bildung von großen kreisförmig rotierenden Wasserwirbeln. Die stillen Zonen innerhalb
dieser Wirbel sind als »Garbage Patches« bekannt, weil sich dort besonders viele schwimmende Plastikobjekte
konzentrieren. Einmal im Wirbel angelangt, dreht das Schwemmgut oft über Jahrzehnte seine Runden und zerfällt durch
Reibung und Lichteinwirkung in immer kleinere Stücke.


Plastikmüll im Meer: Was passiert mit Plastikobjekten, die ins Wasser gelangen? Leichte Kunststoffstücke treiben an der
Oberfläche und werden von den Strömungen über weite Strecken und große Zeiträume mitgetragen. Ein Teil davon wird
an die Küsten gespült. Plastikarten, deren Dichte höher ist als diejenige von Meerwasser, sinken auf den Meeresboden. Ein
großer Teil des Kunststoffes wird aber auch von Tieren gefressen. Vom Problem des Plastikmülls im Meer sind nicht nur
Anrainerstaaten betroffen, sondern auch Länder, die über keine Meeresküsten verfügen. Schätzungsweise 80 Prozent des
Abfalls gelangt über Flüsse vom Land ins Meer.

 

Auswirkungen auf die Tierwelt: Viele Tiere verwechseln Plastikstücke mit Nahrung. Vögel fressen PET-Flaschendeckel,
Feuerzeuge sowie verschiedene Plastikbruchstücke. In Schildkrötenmägen von tot aufgefundenen Tieren wurden auffällig
viele Überbleibsel von Plastiktüten gezählt. Je nach Form und Funktionsart der Speiseröhren und Mägen der Tiere können
die unverdaulichen Stücke nicht mehr ausgeschieden werden, was zu Verhungern mit vollem Magen, Ersticken oder
inneren Verletzungen führt. Eine wichtige Dokumentation dieses Phänomens ist Chris Jordans Arbeit Midway: Message
from the Gyre. Planktonfressende Organismen nehmen mit ihrem natürlichen Futter auch Mikroplastik auf.


Untersuchungen von Wasserproben aus dem nördlichen Pazifik ergaben, dass in der oberen Meerwasserschicht
stellenweise 46mal mehr Plastik als Plankton vorkommt.


Mikroplastik: Wie sich die Aufnahme von Plastikteilen über die Nahrung auf die verschiedenen Stufen der Nahrungskette
auswirkt, ist heute noch nicht absehbar. Da Kunststoffe zum Teil gefährliche Zusatzstoffe enthalten und sich gewisse
Schadstoffe auf dem Plastik anreichern, werden weitreichende Folgen vermutet. Forschungen an Muscheln haben bereits
gezeigt, dass Mikroplastikteile auch ins Gewebe von Filterorganismen aufgenommen werden können. In der Installation
The Mermaid’s Tears kombiniert das Künstlerduo Richard und Judith Lang Großaufnahmen von Plastikpellets mit einem
Sandtisch, auf dem die Situation von Mikroplastikstücken am Strand nachgestellt ist. So wird direkt erfahrbar, wie
schwierig es ist, Sandkörner von Plastikstücken zu unterscheiden.


Polymeer: Die Bildergeschichte Polymeer von Alexandra Klobouk erzählt die apokalyptische Utopie eines
überschwemmten Europas im Jahr 2043. Da die Pole geschmolzen sind, steht Holland unter Wasser, und die Schweizer
Berge werden zum letzten Zufluchtsort. Vor der Beengtheit des alpinen Refugiums rettet letztlich der Plastikmüll, der
überall durch die Meere treibt: Mit einem riesigen Plastik- Magnet wird dieser an einer Stelle gesammelt, damit daraus
eine bewohnbare Insel wird. Die Bildergeschichte bietet am Ende des Ausstellungsteils »Plastik im Meer« einen düstervergnüglichen Ausblick in die Zukunft.


2. Thema: Plastik im Alltag

 

Installation Plastik im Alltag: In Westeuropa werden pro Kopf und Jahr rund 92 Kilogramm Kunststoff verbraucht, mit
steigender Tendenz. Weltweit liegt dieser Verbrauch bei etwa 35, in der Schweiz bei 120 Kilogramm. Der größte Teil des
Kunststoffabfalls stammt aus der Verpackungsbranche, wobei zwei Drittel aus Haushaltungen und ein Drittel aus Industrie
und Gewerbe stammen. Außer PET-Flaschen wird in der Schweiz nur wenig Kunststoff recycled. Die Installation zeigt
einen Querschnitt unseres täglichen Kunststoffkonsums und veranschaulicht, wie groß das Potenzial für vermehrtes
Kunststoffrecycling wäre.

 

Materialkunde Kunststoffe: Es ist erstaunlich, wie sehr Kunststoffe unseren Alltag durchdringen – sie scheinen unvermeidbar zu sein. Die Beliebtheit von Plastik erklärt sich nicht nur durch seine tiefen Produktionskosten, sondern auch
durch seine zahlreichen praktischen Eigenschaften wie geringes Gewicht, Säureresistenz oder Biegsamkeit. Darüber hinaus fördern Kunststoffe mit ihren flexiblen Eigenschaften technologische Innovationen und führen insbesondere in den Bereichen
Medizin, Gebäudetechnik sowie in der Konstruktion von Flugzeugen und Automobilen zu neuartigen Lösungen.
Genauso erstaunlich ist es aber, wie wenig wir oftmals über diese Materialien wissen. Dieser Ausstellungsteil gibt einen
Überblick über die häufigsten Plastikarten und zeigt auf, wie man diese erkennt, wo sie zur Anwendung kommen, und
welche giftigen Zusatzstoffe enthalten sein können. Achten Sie bei ihrem nächsten Einkauf auf Material und Recyclebarkeit
der Produkte.


Plastik: Der schnelle Konsum: Die in den 1960er Jahren eingeführte Plastiktüte gilt als das Symbol der Konsumgesellschaft.


Weltweit werden pro Jahr ca. 600 Milliarden Plastiktüten hergestellt, das entspricht ca. 20.000 pro Sekunde. Dabei
werden die Tüten oft nur einmal verwendet. Vor allem die dünnen Plastiksäcke stellen ein gravierendes ökologisches
Problem dar. In einigen Ländern wie Frankreich, Indien oder China sind Plastiktüten inzwischen generell oder in der
leichten Version verboten. Gleiches gilt für Verpackungen und Take Away-Behälter, für die ca. ein Drittel des weltweit
produzierten Plastiks eingesetzt wird. Dabei besteht ein starker Kontrast zwischen der Kurzlebigkeit des Produkts und der
Langlebigkeit der Verpackung von bis zu mehreren hundert Jahren. Viele Detailhändler und auch Fast Food-Ketten
bemühen sich schon um umweltfreundlichere Alternativen, aber auch individuell lässt sich einiges tun.


Zusatzstoffe: Einige Arten und Anwendungen von Kunststoffen sind nicht nur für die Meere gefährlich, vielmehr birgt der
tägliche Umgang mit Plastik Gefahren für unsere Gesundheit. Immer wieder wird über bedenkliche Zusatzstoffe diskutiert,
insbesondere in Bezug auf bestimmte Weichmacher und Bisphenol A, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit
haben. Dieser Ausstellungsteil vermittelt den aktuellen Stand der Diskussion und zeigt, welche Produkte man besser
meidet und wie unbedenkliche Varianten gekennzeichnet sind.


Mikroplastikpartikel: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Textilien aus Fleece oder anderen synthetischen Fasern bei
jedem Waschgang bis zu 1900 Kunststofffasern verlieren. Gleiches gilt zum Beispiel auch für Peeling-Produkte, die oft
Mikroplastikkügelchen aus Polyethylen enthalten. Diese Mikropartikel (kleiner als 5 mm) gelangen meist ungefiltert in die
Meere, verschmutzen die Strände oder dringen mit Schadstoffen angereichert in die Nahrungskette ein. Produkte aus
Naturmaterialien sind hier eine wichtige Alternative.

 

Materialkreisläufe Kunststoffe: Überproduktion und Überkonsum führen zu Unmengen von Abfall. Was aber, wenn dieser
von Anfang an vermieden oder als neuer Rohstoff verstanden wird? Das Denken in Kreisläufen bietet ganzheitliche
Ansätze für Designer, Produzenten und Konsumenten. Gerade im Bereich von Kunststoffen, die auf wertvollem Erdöl
basieren, können Materialkreisläufe auch ökonomische Anreize für Produzenten bieten. Neben Strategien des Recyclings
werden drei solcher Ansätze vorgestellt: Die Ökobilanz, das Cradle to Cradle-Prinzip »von der Wiege zur Wiege« und Zero
Waste – die Vision einer Zukunft ohne Abfall.


Biokunststoffe: Biokunststoffe bieten eine Alternative zu erdölbasierten und nicht abbaubaren Kunststoffen. Doch was
genau bedeutet dieses „Bio“ und wo kommen Biokunststoffe im Alltag vor? Hier wird erklärt, was Biokunststoffe sind,
welche Vor- und Nachteile sie haben, in welchen Produkten sie uns begegnen und wie damit Marketing betrieben wird.
Die internationale Tournee: Im Anschluss wird die Ausstellung von Hamburg aus weiter durch Europa touren mit
Stationen in den Niederlanden, Finnland, Dänemark und in weiteren Ländern.

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