Freitag, 02. Dezember 2011
19:00 Uhr: Apéro
19:30 Uhr: Vortragsbeginn
Ort: Halle fuer Kunst, Reichenbachstr. 2, 21335 Lueneburg
Eintritt frei; der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten
Vergeistigung bei Theodor W. Adorno, Dematerialisierung bei Lucy Lippard, Immaterielle Arbeit bei Maurizio Lazzarato und jetzt Finanzialisierung in den Kunsttheorien der nun fortgesetzten kapitalistischen Krisenoekonomie. Es scheint, als verfluessige sich die Kunst seit dem Aufkommen der Avantgarden, als habe die Moderne nie in etwas Anderem als ihrer Aufloesung bestanden. Doch sie verfluechtigt sich seit inzwischen fast einem Jahrhundert, ohne je zu verschwinden. Statt dessen greift sie um sich, subsumiert immer neue Medien unter sich und baut ihre Produktivkraefte aus.
Die Gegenwartskunst wird international produziert, arbeitsgeteilt, serialisiert und es arbeiten Heerscharen von Kuenstler_innenassistent_innen weiterhin in den „alten“ Medien der bildenden Kuenste, zeichnen, malen, formen und gießen, während Kuenstler_innen sich kaum mehr als solche vorstellen koennen, wenn sie sich nicht faehig zeigen, solcherlei Heerscharen zu koordinieren, sei es im kleinen oder im großen Maßstab. Professionelle kuenstlerische Arbeit ist unassistiert kaum je denkbar.
Auch in der Kunst geht die Arbeit daher nicht aus, sie wird nur, wie in allen anderen Feldern der Produktion, ausgelagert, und gehoert scheinbar nicht laenger zur Kunst. Die vieldebattierten Aufloesungserscheinungen betreffen lediglich die historische Wandlung der Stabilisierungsformen der gesellschaftlichen Figur „Kuenstler“ („Kuenstlerin“ ist nur eine Unterart), der Geltungsansprueche der Hochkultur innerhalb der sich veraendernden globalisierten Produktion und Konsumption.
Hier soll es nicht um einen Abgesang gehen, nicht um eine Trauerarbeit - sondern ganz im Gegenteil um eine positive Barbarei, um eine Diskussion der gegenwaertigen Realitaet kuenstlerischer Produktionsformen und der Frage nach ihren Potentialen jenseits der gesellschaftlichen Distinktion. Entkunstung, das von Adorno erfundene Wort zur Beschreibung der Desintegrierung der Kunst in der Massenkultur, dient hierbei als Marker - für eine Re-Materialisierung, das Panorama einer Zerlegung statt einer Aufloesung.
Kerstin Stakemeier (*1975, lebt in Berlin) ist als Autorin, Uebersetzerin, Dozentin und Initiatorin taetig. Sie studierte Politikwissenschaften und Kunstgeschichte und arbeitet derzeit an der Buchfassung ihre Dissertation ueber die "Entkunstung" in der bildenden Kunst seit 1915. Seit 2008 setzt sich Stakemeier mit historischen und zeitgenoessischen Strategien und der Gegenwaertigkeit des Realismus in der Kunst auseinander. Gemeinsam mit Nina Koeller und Eva Birkenstock gruendete sie 2007 einen Raum, in dem eine Reihe von Ausstellungen realisiert wurden und nun auch, in Zusammenarbeit mit einer wachsenden Zahl von mittlerweile 40 Kuenstler_innen, Musiker_innen, Architekten_innen und Autor_innen eine Publikation, ueber das Thema der 'Aktualisierung' als Historisierungsmodus in der Kunst.
»Beau travail«
Vortragsreihe zum Thema Arbeit
Oktober bis Dezember 2011
Fuer die Reihe wurden sechs Referent/innen eingeladen ueber den Begriff der Arbeit im Kunstfeld zu sprechen. Obzwar im aktuellen Diskurs zur zeitgenoessischen Kunst virulent, konzentrieren sich die Beitraege inhaltlich nicht primaer auf Diskurse ueber immaterielle Arbeit und Prekaritaet, die allerdings im Rahmen der Vortragsreihe als nicht zu ignorierender Hintergrund zu bedenken sind. In der Reihe zeigt sich vor allem ein Interesse an Beobachtungen und Debatten zu gegenwaertigen Arbeitsweisen in der Kunst. Es werden Fragen gestellt, was der Begriff der Arbeit in der zeitgenoessischen Kunst bedeutet, der sich nicht nur in Objekten manifestiert, sondern auch in Handlungen und Haltungen. Wie setzen sich Kuenstler/innen aber auch andere Akteure gegenwaertig mit Arbeit auseinander? Und wie setzen sie dies um? Was sind in einer Aera der Gesten, der Appropriationen, der Reproduktionen und des Referenzialismus zeitgenoessische Produktionsweisen? Was ist die Arbeit in der Kunst?
Mit Beitraegen von Roberto Ohrt (Donnerstag, 20.10.), Ilya Lipkin (Freitag, 28.10.), Marcus Steinweg (Donnerstag, 10.11.), Adam Szymczyk (Donnerstag, 24.11.), Kerstin Stakemeier (Freitag, 02.12.), Pierre Bal-Blanc (Donnerstag, 08.12.).
Großzuegig gefoerdert durch das Land Niedersachsen, die Sparkasse Lueneburg, den Lueneburgischen Landschaftsverband, die Hansestadt Lueneburg und die Lueneburger Buergerstiftung