WideBlick - Potential-Entwicklungs-Magazin für junges Denken: Themen, die diskussionswürdig sind. Musik, die hörenswert ist. Filme, die sehenswert sind. Fakten, die wissenswert sind. (Musik, Aphorismen, Politik, Umwelt, Filme, Kunst, Pädagogik, Termine). Thematisch gibt es fast keine Begrenzungen. (Kein Mainstream!)
Am gestrigen Samstag wurde ein Aufmarsch von ca. 150 Neonazis in der Hansestadt
Salzwedel durch vielfältigen und lautstarken Protest begleitet. Einem breiten Bündnis von
Parteien, Gewerkschaften, Kirche, Jugendarbeit, Antifa und weiteren Gruppen gelang es, den
Aufmarsch der Rechtsextremen u.a. durch Sitzblockaden zu verkürzen. Die vorgesehene
Route des Aufmarsches musste daher geändert werden. Miteinander „zeigt sich jedoch
enttäuscht von der Einsatzleitung der Polizei, die den Rechtsextremen doch noch den Weg auf
einer anderen Route frei räumte“. Doch auch auf der Ersatzroute mussten die Neonazis
aufgrund der Proteste immer wieder kurzzeitig stoppen. Auch jenseits des Aufzugs gab es im
gesamten Innenstadtgebiet vielfältige Kundgebungen und Aktionen, bei denen
Rechtsextremismus thematisiert und den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wurde.
Empört waren die Demonstrant_innen, dass die Neonazis an einer angemeldeten
Gegenkundgebung der Jugendarbeit vorbeiziehen durften. Im Vorfeld waren demokratische
Veranstaltungen an der Route der Neonazis hingegen nicht genehmigt worden. Kritisiert
wurde die Polizei auch für den Einsatz an der Kreuzung Südbockhorn / Nordbockhorn. Hier
wurde unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlägen eine friedliche Blockade geräumt.
Dabei wurde ein Jugendlicher so stark verletzt, dass er mit Verdacht auf einen Beinbruch ins
Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dieser Einsatz wurde von Augenzeug_innen als
völlig unverhältnismäßig kritisiert. An anderer Stelle schlug ein Polizist einem
Gegendemonstranten mit der Faust ins Gesicht, so dass dieser eine blutende Verletzung erlitt.
Teilweise übertönt von den Protesten zogen Rechtsextreme mit Naziparolen und
Bedrohungen gegen politsche Gegner_innen durch die Stadt. Zu T-Shirt-Motiven, die offen
zur Gewalt auffordern, skandierten die Rechten u.a.: "schlagt den Roten die Schädeldecke
ein". In Redebeiträgen wurde der Nationalsozialismus verklärt. Ein Redner der NPD aus
Tangerhütte bezeichnet den alliierten Sieg über die Nazis als "Befreiungslüge" und die Zeit
des NS als "ach so schlimme Vergangenheit". Miteinander e.V. kommentiert die
Redebeiträge: "Wo von den Funktkionären so offen gehetzt wird, verwundert es nicht, wenn
die Anhängerschaft den Worten Taten folgen lässt, wie beim Brandanschlag auf das
autonome Zentrum, wo die Polizei einen rechten Hintergrund vermutet."
Der Vertreter des Vereins zieht ein Fazit des Tages: "Auch wenn die Neonazis leider doch
noch marschieren konnten, haben die gestrigen erfolgreichen Proteste gezeigt, dass
Geschichtsfälschung, Hetze gegen Andersdenke und Glorifizierung des Nationalsozialismus
in Salzwedel nicht einfach hingenommen werden. Wir freuen uns über die vielen couragierten
Menschen quer durch alle Altersgruppen und über die zahlreichen Gegenaktionen."
Miteinander e.V.
Regionales Zentrum Nord
15.05.2011
Weiterer Artikel mit vielen Fotos hier: http://westhavelland.wordpress.com/2011/05/14/widerstand-gegen-neonaziaufmarsch-in-salzwedel/