EIN MARATHON MIT 11 PERSPEKTIVEN ZU WACHSTUM
16:00 - 24:00 mit Pausen, in dt. und engl. Sprache
Magie, Wahnsinn und Wissenschaft liegen in der modernen Wirtschaftspolitik nah beieinander. Weder Vorträge noch Theaterabende reichen aus, um sich dem Thema Wachstum wirklich zu nähern. Die Dauer einer Nacht muss es schon sein – oder die eines Arbeitstags, wie Sie wollen. Sie werden wirklich ganz ernsthaft erfahren, wie unsere Gesellschaft sich verändern muss. Neben Wirtschaftswissenschaftlern haben wir Scharlatane, Gelehrte und Künstler eingeladen, Sie mit Tanz und Theorie, Musik und Schnaps auf das neue Leben vorzubereiten.
ULRICH BRAND, Wien
Vortrag: Wohlstand jenseits des Wachstums?
Spätestens seit der Finanzkrise 2008 hat sich die Diskussion um Wohlstand und Lebensqualität jenseits des Wirtschaftswachstums intensiviert. Konflikte um alternative Produktions- und Lebensweisen sind auch in Politik und Wissenschaft entbrannt. Der Bundestag hat inzwischen reagiert und die Enquete-Kommission eingerichtet. Kommissionsmitglied Ulrich Brand, Professor für Internationale Politik in Wien und wissenschaftlicher Beirat von Attac fragt in seinem Vortrag: Welche Ansätze für andere Wohlstandmodelle gibt es? Und welche konkreten Veränderungen sind dafür notwendig?
ARMIN CHODZINSKI, Hamburg
Lecture, Performance: Den letzten beißen die Hunde - eine Allegorie der Unsterblichkeit mit Krawatte, Musik und einem tanzenden Eisbären
Irgendwo zwischen individueller Sehnsucht und gesellschaftlichem Zwangsverhältnis befindet sich etwas, das gern unter dem Begriff Wachstum zusammengefasst wird. Ein Begriff, der so unterschiedliche Klänge haben kann, dass sich fast die ganze Welt darin abbildet: Das Werden, das Vergehen, endlose Gewinnmaximierung, Mutationen, Expansion und der Wunsch nach Unsterblichkeit. In einer Performance-Lecture wird Armin Chodzinski den unterschiedlichen Verständnissen von Wachstum nachspüren und sich die Frage stellen, was eigentlich passiert, wenn man gar nicht wachsen will.
JULIUS DEUTSCHBAUER, Wien
Performance: Partei der Institutionalisierten Kürzungen
Der Name ist Programm und trägt dem Hauptanliegen gegenwärtiger Politik Rechnung: Kürzungen. Der österreichische Künstler lädt – in gerippter bruno banani-Unterwäsche in einem Kühlwagen sitzend - zur Gründungsversammlung seiner Neo-Partei. Er verliest die Parteistatuten, singt die Parteihymne, erstellt ein Schattenkabinett und reißt mit seinem Parteiprogramm – „Wir müssen uns warm anziehen, Genossinnen und Genossen, der Haushaltsplan 2012 ist beschlossen“ – seine Anhänger zu frenetischem Applaus hin.
DAVIS FREEMAN, Brüssel/London
Performance: 7 Promises
Trinken für eine bessere Welt. Dem drohenden ökologischen Desaster machen die beiden Künstler Davis Freeman und Jerry Killick mit performativ-missionarischem Eifer den Garaus. Sie legen dem Publikum sieben Aktionspläne vor und fordern ein grundsätzliches radikales Umdenken – nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Gemeinsam wird hier der Fußabdruck in dreißig Minuten und bei etlichen Liter Wodka Glas für Glas verändert!
PETERLICHT, Köln
Lieder und Worte: Das Ende der Beschwerde
Peter Licht, das allererste Mal solo mit Songs und Texten! Der Musiker und Autor, der in viele Leben mit dem wunderbaren Hinweis getreten ist „Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck“ und uns dann „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ schenkte, hat letztes
Jahr „Das Ende der Beschwerde“ veröffentlicht. Fürs Theater hat er sich mit „Der Geizige“ beschäftigt und ein Familiengemälde geschrieben, das ein Land entwirft, in dem es zu viel von allem gibt, nur schlecht verteilt. Klingt vertraut. Davon wird er erzählen und dazwischen Lieder von Kapital, Arbeit, Verknappung und Wachstum singen. Wunderbar.
LIGNA, Hamburg/Berlin
Audiotour: Lob des Stillstands
Die Geschichte: Die Fabrik ist verschwunden, ihre Kräne stehen still. Doch sie werfen immer noch ihre Schatten – wir hören nicht auf zu arbeiten, akkumulieren weiterhin reale und symbolische Reichtümer. Und gehen ins Theater. Sammeln Wissen für den lebenslangen Lernprozess unserer eigenen Verwertbarkeit. Wer an sich selbst wächst, wächst für die ganze Gesellschaft! Das Radio: Hören Sie auf zu arbeiten! Wachsen Sie nicht weiter! Vergessen Sie Ihr Wissen! Stillstand jetzt! Das Paradies: Wir flüchten die Fabrik, lassen die Ökonomie
der Verwertung hinter uns. Und betreten einen neuen Ort. Der Gott der Faulheit wartet dort auf uns und schließt uns in seine Arme. Für immer. Eine Audio-Tour auf den Spuren der Kampnagel-Fabrik.
BOZ TEMPLE-MORRIS, London
Hörspiel: The Hamster
Ein Hamster der, wie unser Wirtschaftssystem, nicht aufhört zu wachsen, entwickelt sich vom monströsen Nagetier-Alptraum zum unerwarteten Glücksfall: Der Rubel rollt und Menschen stehen Schlange, um das riesige Nagetier zu sehen. Aber wie lange geht das gut? Es muss so sein wie die Ökonomen sagen – Wachstum garantiert uns den Ausweg aus der düsteren Situation, in der wir uns befinden...
NIKO PEACH, Oldenburg
Vortrag: Befreiung vom Überfluss statt Wachstumswahn
Die Wachstumsparty ist vorbei: Klimawandel, eskalierende Finanzmärkte, Schuldenkrisen, die Verknappung jener Ressourcen, auf deren kostengünstiger Verfügbarkeit das industrielle Wohlstandsmodell bislang basierte, sowie Befunde der Glücksforschung verdeutlichen das Ende der alten Welt. In seinem Beitrag lotet der deutsche Volkswirtschaftler die Möglichkeiten einer Postwachstumsökonomie aus. Er plädiert für eine Veränderung geldbasierter Versorgungssysteme und sieht in Suffizienz, moderner Subsistenz und einem Rückbau der Industrie die wichtigsten Gestaltungsoptionen.
SIBYLLE PETERS / FUNDUS THEATER, Hamburg
Manifest und kolletive Positionsbestimmung: Let's make money!
Kein Wachstum, kein Geld, scheint die landläufige Meinung zu sein. Doch Geld ist veränderlich, es wird gestaltet und zwar mit massiven gesellschaftlichen Folgen. Aus dem Kampf um die Kontrolle der Produktionsmittel ist ein Kampf um die Produktionsmittel des Geldes geworden – Monetarismus und Marxismus waren einander noch nie so nah. Das Scheitern der Staaten stellt Geld als neutrales Medium in Frage: „Können nur diejenigen das Geld gestalten, die bereits genug davon haben?“, fragt Sibylle Peters und fordert: Let’s make money ourselves.
KATHRIN RÖGGLA, Berlin
Literarischer Diavortrag: Das Aufspühren von Gefahrenquellen
Bergbau in Mitrovice, ein Forschungskernreaktor in Sofia, die alten Kupferminen Zyperns, das Kernkraftwerk Greifswald, die Stadt Rheinsberg im Niederrhein? Alles im Rückbau! Die mitunter problematische Stilllegung ehemaliger Wachstumsbeschleuniger beschäftigt nicht nur die Arbeiter vor Ort, sondern auch Berater, die ein reges Reiseleben führen. Drei davon hat die Autorin mit einem Filmteam begleitet und eine literarische Reise zu den Orten unternommen, die eine Gefährdung für ganze Regionen darstellen. Herausgekommen ist ein Gespräch über Risikomanagement, Sicherheit als Lernprozess, Informationshierarchien und statistische Wahrnehmungskurven, sowie die Frage nach der bleibenden Handlungsfähigkeit, die uns alle betrifft.
ANDREW SIMMS / NEW ECONOMICS FOUNDATION, London
Vortrag: Growth isn't possible
„Economics as if people and the planet mattered“ ist der Claim der Londoner New Economics Foundation NEF. Damit ist sehr einfach viel über Wirtschaftswissenschaft heute gesagt. Bereits Mitte der 80er als Alternativer G8 Gipfel gegründet, ist die NEF ein internationaler Think Tank, der nicht nur vielbeachtete Studien zu Wachstum, „Well-being or Wealth?“ oder „The Great Transition“ veröffentlicht hat, sondern an einer englischen Uni einen eigenen Master Studiengang in Transition anbietet.