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Anlässlich des bevorstehenden 27. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl demonstrieren heute Atomkraftgegner gegen den Weiterbetrieb
von neun gefährlichen Meilern in Deutschland. Umweltverbände,
Gewerkschaften, Parteien und örtliche Bürgerinitiativen haben zu zwei
zentralen Protestveranstaltungen am bayerischen AKW Grafenrheinfeld und
im schleswig-holsteinischen Brokdorf aufgerufen.
In Brokdorf ist eine „Protest- und Kulturmeile“ rund um das
Kraftwerksgelände geplant, an der sich zahlreiche Künstlerinnen und
Künstler beteiligen. In Grafenrheinfeld treffen sich zwei
Demonstrationszüge direkt vor dem AKW. Aus 35 Städten reisen
Atomkraftgegner mit Bussen zu den Protesten an.
„Der Beschluss von 2011, die meisten der neun noch laufenden
Atomkraftwerke bis 2022 zu betreiben, muss dringend revidiert werden“,
so Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, die
die Proteste mit organisiert. „Gründe gegen den Weiterbetrieb gibt es
genügend:
- In jedem Reaktor kann es jeden Tag zum Super-GAU kommen. Je älter die
Meiler werden, um so wahrscheinlich wird dies.
- Die neun AKW werden für die Stromversorgung nicht mehr benötigt. Es
gibt inzwischen riesige Überkapazitäten in deutschen Kraftwerkspark,
selbst wenn einmal kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Das
zeigen die explodierenden Stromexporte. Statt nun reihenweise
Gaskraftwerke abzuschalten, die als Ergänzung zu den Erneuerbaren
Energien dringend gebraucht werden, ist es tausendmal besser, auf die
Atomkraftwerke zu verzichten.
- Die aktuelle Atommüll-Debatte macht deutlich, dass niemand
verantworten kann, Tag für Tag weitere strahlende Abfälle zu
produzieren. Während sich die Republik derzeit um den Verbleib von 26
Castoren streitet, wird in den neun noch laufenden Reaktoren Atommüll
für mehr als 200 Castor-Behälter anfallen.
Nach dem geltenden Atomgesetz soll in der ganzen nächsten
Legislaturperiode nur ein einziges AKW stillgelegt werden. Damit wäre
Deutschland im Jahr 2017, sechs Jahre nach Fukushima, immer noch
Atomstromproduzent Nummer zwei in der EU. Das hat mit Atomausstieg
nichts zu tun. Deshalb sind wir auch gespannt, was die atomkritischen
Parteien SPD und Grüne den Wählerinnen und Wählern als Alternative
anzubieten haben, wenn im Herbst Bundestagswahlen stattfinden. Wie viele
AKW werden stillgelegt, wenn es zu einer rot-grünen Regierung kommt?“